02.10.2014 - Selbsthilfenetzwerk sieht weiterhin viele Vorurteile gegenüber psychisch Kranken

KOMMIT ermutigt zur Auseinandersetzung mit der „Woche zur Seelischen Gesundheit“

Das Selbsthilfenetzwerk KOMMIT im Landkreis Konstanz hat anlässlich der bevorstehenden „Woche der Seelischen Gesundheit“ dazu aufgerufen, die Bemühungen gegen eine Stigmatisierung psychisch Kranker aufrecht zu erhalten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Aktion in diesem Jahr unter das Thema „Leben mit Schizophrenie“ gestellt – und damit einem Krankheitsbild gewidmet, das in der breiten Bevölkerung noch immer mit erheblichem Voreingenommensein belegt ist. Der Vorsitzende von KOMMIT, Dennis Riehle, der gleichzeitig selbst Gruppenleiter und Betroffener seelischer Erkrankungen ist, sieht allerdings auch Fortschritte: „Es ist unbestritten, dass gerade im Bereich der Depression oder der Angststörungen durch die mediale Aufmerksamkeit und die weite Verbreitung ein Umdenken der Gesellschaft begonnen hat“.

Umso wichtiger sei es, die Krankheitsbilder, denen mit großer Skepsis begegnet werde, zunehmend in den Mittelpunkt zu stellen: „In der Öffentlichkeitsarbeit, aber auch bei Angehörigen von Menschen mit schizophrenen Erkrankungen erlebe ich noch immer sehr häufig, dass mit der Betroffenheit eine pauschale Diskriminierung einhergeht. Nicht selten werden Patienten dieses Krankheitsbildes, aber auch mit Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen dem psychisch labilen Gewaltverbrecher aus dem Fernsehen gleichgesetzt. Entsprechend erschwert ist dadurch auch die Aufklärung und Sensibilisierung der Bürger, sind doch die Fehlinformationen über gewisse psychische Leiden auch heute noch in Spielfilmen, Büchern oder gar Dokumentationen omnipräsent“.

Nach Ansicht Riehles unterstreiche das WHO-Motto auch, Berührungsängste zu überwinden: „Ja, offenbar ist ein ‚Leben mit Schizophrenie‘ gut möglich. Und aus meiner Erfahrung mit Betroffenen weiß ich um deren besondere Eigenschaften, die einen Kontakt bereichern können. Deshalb lohnt es sich, in dieses Leben von Erkrankten einen Blick zu werfen, um auch als Außenstehender einen Eindruck davon zu bekommen, von wie viel Leid und Belastung einerseits, aber gleichzeitig auch Phantasie und Vielfalt andererseits ein solcher Alltag geprägt ist“. Zwar gehe man davon aus, dass die Zahl der Erkrankten mit Schizophrenie auch langfristig konstant bleibe, dennoch werde man mit diesem Störungsbild immer konfrontiert sein. Und gerade weil alle psychisch Erkrankten ein Teil aus unserer Mitte sind, brauche es eine Auseinandersetzung mit ihren Nöten und Wünschen: „Wir dürfen uns bewusst machen, dass die Zeiten glücklicherweise vorbei sind, in denen Betroffenen von Schizophrenie die dauerhafte psychiatrische Unterbringung blühte“, so Riehle.

Viele Varianten des schizophrenen Formenkreises können heute durch Pharmakotherapie behandelt werden. „Darauf müssen wir aufmerksam machen und damit die Sorgen nehmen, die oftmals auch das Umfeld von Betroffenen heimsuchen. In den Selbsthilfegruppen wird deutlich, dass eine psychische Erkrankung ein lebenslanger Begleiter sein kann; gleichzeitig nehme ich durch den Austausch viel Mut und Freude wahr, die durchaus auch auf die Gesellschaft überspringen dürfen“, meint der KOMMIT-Vorsitzende. „Die ‚Woche zur Seelischen Gesundheit‘ bietet die Möglichkeit, sich ehrlich mit Fakten und Vorurteilen zu beschäftigen. Wir laden ein, sich am Beispiel des ‚Lebens mit Schizophrenie‘ auf die Begegnung mit psychisch Erkrankten einzulassen“, so Riehle abschließend.

Dennis Riehle
Selbsthilfenetzwerk KOMMIT
im Landkreis Konstanz
- Vorsitzender -

privat:
Martin-Schleyer-Str. 27
78465 Konstanz

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